Tatort Internet - Cybermobbing im Web 2.0

Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen unseres Sozialtrainings im Umgang mit dem Social Web am 26.01.2012 ein Informationsabend für Eltern der Stufen 6 und 7 zum Thema „Tatort Internet: Cybermobbing unter Kids“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, den Eltern einen Einblick in die Problematik des Mobbings in sozialen Netzwerken zu geben, auf die Gefahren hinzuweisen, aber auch Tipps zur Prävention und zum Handeln im Falle des Betroffenseins vorzustellen.

Zuerst führte Frau Katzer, eine Expertin, die seit Jahren zu diesem Thema forscht (www.chatgewalt.de), in einem aufschlussreichen Vortrag in das Phänomen des Cybermobbings ein (PDF-Datei, Vortrag). Im Anschluss hatten die Eltern die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ihre eigenen Meinungen und Erfahrungen darzulegen. 

Weitere hilfreiche Links zu diesem Thema finden Sie unter:

www.cyberbullying-germany.de, www.bündnis-gegen-cybermobbing.de

Hier einige Elternstimmen zu diesem Abend:

Der Vortrag von Frau Dr. Katzer befasste sich schwerpunktmäßig mit Mobbing im Internet, den Folgen für die Betroffenen und auch für die Täter sowie mit den Fragen, welche vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können oder welche  Hilfe man im Ernstfall erhalten kann .

Der Vortrag war sehr interessant und zeigte die oben genannten Punkte sehr anschaulich.

Mir war vorher nicht klar, dass bereits so viele Jugendliche im Grundschulalter, oder spätestens mit Eintritt in die weiterführende Schule, sich im Internet aufhalten und sich bereits  in sozialen Netzwerken bewegen.  

Wichtig finde ich es daher, die Kindern dafür zu sensibilisieren, dass Cybermobbing kein harmloser Streich ist, sondern schlimme Folgen für die Betroffenen haben kann und darüber hinaus auch strafbar ist. Um sich selber zu schützen, sollte man Schutzprogramme verwenden, beim Anlegen seines Profils (z.B. bei Facebook) gewisse Regeln beachten und mit der Preisgabe von persönlichen Dingen sehr vorsichtig sein.

Ist man zum Betroffenen geworden, sollte man Beweise sammeln, Screenshots machen, sich beim Anbieter melden und ggf. die Polizei einschalten. Hilfe erhält man auch beim Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in Karlsruhe, Tel. 0721-16009-15.

Ich fand den angebotenen Infoabend sehr aufschlussreich und hoffe, dass das Thema auch mit den Schülern weiter behandelt wird. Wäre schön, wenn auch andere Schulen dem Beispiel des ASG folgen würden.

Monika Hesselmann

Cyber-Mobbing in der Schule

Cyber-Mobbing ist keinesfalls ein Problem, dass sich auf das Privatleben beschränkt. Immer häufiger wird auch die Schule zum Schauplatz von Cyber-Mobbing; sowohl Lehrer als auch Schüler werden öffentlich an den Pranger gestellt. Gerade Portale wie „Spickmich“, in dem Schüler „den Spieß umdrehen“ und ihre Lehrer benoten, zeigen auf, wie leicht auch Lehrer öffentlich – ob nun positiv oder negativ – dargestellt werden können.
 
Die Opfer von Cyber-Mobbing empfinden zunächst hauptsächlich Wut und Verunsicherung, in einigen Fällen auch Angst. Häufig ist nicht klar, wer der Angreifer aus dem Hinterhalt eigentlich ist. Stellt sich heraus, wer hinter der Schikane steckt, so hat das meist keine gravierenden Folgen für den Täter (keine Strafanzeige/kein Schulverweis). Jedoch bleiben ein Gespräch mit Lehrer und der Schulleitung sowie eine Bestrafung in der Regel nicht aus.

Was sind die Ursachen für das Mobbing? Wie ist das Klima an unserer Schule? Wird über Probleme in der Klasse geredet, gibt es einen Klassenrat , eine Kultur der Auseinandersetzung? Welche Umstände haben zu dem Mobbing beigetragen?

Jugendliche wissen häufig nicht, welchen Schaden sie mit einer veröffentlichten Bild- oder Video-Montage im Internet anrichten können oder welche Empfindung verletzende oder bedrohliche Nachrichten bei Betroffenen auslösen können. Für sie ist das oft nur ein Spaß, um sich an Lehrern, beispielsweise wegen einer schlechten Note, zu rächen oder um einen Mitschüler zu ärgern. Leider gibt es kein Patentrezept gegen Cyber-Mobbing. Die Arten und Motive sind zu unterschiedlich, um einheitlich dagegen vorgehen zu können. Darum ist es wichtig, dass alle Lehrer ein Gespür für Mobbing und den Zusammenhang mit Cyber-Mobbing entwickeln.

Es ist sinnvoll, den Schülern im Vorhinein zu vermitteln, welche Folgen dieses Handeln haben kann und dass Cyber-Mobbing ganz und gar nicht „angesagt“ ist. Hierbei sind präventive Maßnahmen gefragt, mit denen sich das ganze Kollegium und die ganze Schule, vielleicht in Form von Projekttagen, auseinandersetzen sollte. Dabei muss allen Lehrern und der Schulleitung klarwerden, dass exzessive Mediennutzung heute selbstverständlich zum Lebensalltag der Jugendlichen gehört Darum sollten sich auch Lehrer mit dem bei Jugendlichen so beliebten Medium Internet und seinen Anwendungsmöglichkeiten (MSN, Soziale Netzwerke etc.) auseinandersetzen, sich über Trends informieren lassen und möglichst „upgedatet“ bleiben.

Handlungsmöglichkeiten von Eltern und Lehrern

  • Wissen schaffen: Die ganze Schule braucht eine einheitliche Definition von Cyber-Mobbing. Jeder muss sich über das Ausmaß im Klaren sein und Cyber-Mobbing von normalem Mobbing unterscheiden können. Junge Leute und ihre Eltern sollten über die Verantwortung der Schüler im Internet und auch über die Sanktionen bei Missbrauch aufgeklärt werden. Eltern und Schüler sollten wissen, dass die Schule ihnen Unterstützung anbieten kann, auch wenn das Cyber-Mobbing außerhalb der Schule stattfindet.
  • Verhaltenskodex (Schulordnung) und Kultur des respektvollen Umgangs: Es ist sicher sinnvoll, einen von Schulleitung, Lehrern, Schülern und Eltern gemeinsam erarbeiteten Verhaltenskodex zu erstellen und diesen auch fortlaufend, je nach aktuellen Gegebenheiten, zu aktualisieren. Dieser Verhaltenskodex beinhaltet das Verbot der Nutzung von Handy und Handykamera in Unterricht und Pause und schließt auch das Mobbing über das Internet aus. Der Verhaltenskodex wird von allen Beteiligten zu Schuljahresbeginn unterschrieben.
  • Anti-Mobbing-Beauftragter und Streitschlichterkonzept: Es ist sinnvoll, einen Anti-Mobbing-Beauftragten zu berufen oder, falls dieser schon existiert, sein Aufgabengebiet um „Cyber-Mobbing“ zu erweitern. Es sollte sich hierbei um ein Mitglied der Schulleitung oder um einen Lehrer handeln, da diese den Überblick über die Schüler und die Kommunikationswege innerhalb der Schule haben. Das Konzept der Streitschlichter als Möglichkeit, von Schüler zu Schüler Konflikte lösen zu können, sollte auch in diesem Zusammenhang eingesetzt werden.
  • Hilfe von außen suchen: PräventionsbeamtInnen der Polizei können sehr eindringlich über mögliche Konsequenzen des Cyber-Mobbings berichten. Auch Workshops (z.B. von klicksafe.de) für den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Internet und Handy helfen bei der Bewusstseinsbildung an Schulen.
  • Integration des Themas in den Unterricht: Integration von Cyber-Mobbing als Problemthematik in Ihren Unterricht. So wird die Aufmerksamkeit explizit auf das Thema gelenkt, und die Schüler merken, dass es sich bei Cyber-Mobbing um ein eigenständiges Problem handelt, welches thematisiert werden muss.
  • Die positive Nutzung der Neuen Medien fördern: Setzen Sie Neue Medien gezielt ein, um das positive und erfolgreiche Lernen zu unterstützen. Erkunden Sie sichere Wege, die Neuen Medien mit den Kindern zu nutzen, um Selbstachtung, Durchsetzungsvermögen, Mitverant-wortlichkeit und das Entwickeln von Freundschaften zu unterstützen. Fördern und diskutieren Sie den respektvollen Umgang im Internet sowie die Themen Internetsicherheit und vor allem Datenschutz (welche Daten gebe ich von mir preis?). Zeigen Sie Ihren Kindern, dass die Erwachsenen in der Schule die von ihnen genutzten Medien verstehen, oder (falls dies nicht der Fall ist) bringen Sie die Kinder dazu, Sie darin zu unterrichten.

 Werner Herwig

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