Die „Stasi“ am ASG

 

Die Geschichtsgrundkurse der Stufe EF von Frau Gregor und Frau Czilwik erhielten am 28. Juni 2012 unter der Leitung von Herrn Löhn, einem Mitarbeiter des BStU in Berlin (Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR), einen besonderen Einblick in die Vorgehensweisen und Methoden des MfS (Ministerium für Staatssicherheit). Nach einem ins Thema einführenden Vortrag von Herrn Löhn, der durch Filmausschnitte (z. B. „Revisor“: Originallehrfilm der „Stasi“ für die Ausbildung von MfS-Offizieren; „Feuer und Flamme“, 2001; sowie „Das Leben der Anderen“, 2006) unterstützt wurde, arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen mit Kopien der Originalakten des MfS. Sie setzten sich intensiv mit einzelnen Schicksalen wie z. B. dem von „Shenja“ (Deckname beim MfS) auseinander, die von ihrer Mutter getrennt in einem Internat aufwuchs und als informelle Mitarbeiterin bereits in ihrer Jugend für die „Stasi“ tätig war. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, inwiefern „Shenja“ als Täterin oder als Opfer in der SED-Diktatur zu beurteilen ist. In einem weiteren Fall setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal von zwei 15-jährigen Jugendlichen auseinander, die aufgrund schulischer Unzufriedenheit spontan den Entschluss fassten, aus der DDR wegzulaufen. Auf dem Fluchtweg entschieden sich die beiden Jungen umzukehren und wurden auf ihrem Rückweg in die DDR von einem 19-jährigen Grenzsoldaten beschossen. Einer der Jungen wurde dabei tödlich verwundet. Die SED verschwieg die Todesursache. Die Mutter des getöteten Jungen erfuhr erst nach dem Ende der DDR und der Öffnung der Akten den wahren Grund. Die Schülerinnen und Schüler fanden heraus, dass die Tötung des Jungen für die SED besonders „peinlich“ war, da einerseits die Jungen nicht mehr auf der Flucht waren, sondern in die DDR zurückliefen, und andererseits die Tötung von unter 16-Jährigen in der DDR verboten war.

Die Schülerinnen und Schüler konnten somit an konkreten Beispielen vieles über die Auswirkungen der Arbeit des MfS für die einzelnen Jugendlichen in der DDR erfahren. Sie setzten sich außerdem intensiv mit der „akribischen“ Vorgehensweise der „Stasi“, z. B. mit Bespitzelung, „psychischer Zersetzung“ und Wohnungsdurchsuchungen, auseinander.

Durch die Arbeit mit den Quellen wurde ein authentischer Zugang zu diesem Teil der deutschen Geschichte möglich. So betonten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer abschließend, dass für sie der Einblick in „echte Akten“ besonders interessant war. Auch den einleitenden Vortrag von Herrn Löhn bezeichneten die Schülerinnen und Schüler als sehr spannend und informativ. Die Schülerinnen und Schüler brachten zum Ausdruck, dass der Workshop auch für die nachfolgenden EF-Stufen sehr empfehlenswert wäre.

 

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