Ein Auge auf die Praxis

Donnerstag 25. Oktober 2012: Der Biologie-Leistungskurs der Stufe 13 von Herrn Mentz seziert Schweineaugen.

Ein grauer Donnerstag wie er im Buche stand, Regen und dunkle Wolken am Himmel, ein eigentlich perfekter Tag, um Schüler dazu zu bewegen, ihre Nasen in trockene Schulbücher zu stecken.

So jedoch nicht im Bio-LK der Stufe 13 von Herr Mentz, denn nach einer sowohl kurzen als auch kurz besprochenen Präparationsanleitung stand Sebastian Wilden in der Tür – vom Regen nass und in seiner rechten Hand: ein Beutel voller Schweineaugen, frisch vom Schlachthof. Vereinzelt hört man „Iiihhh“´s und „Bääähhh“´s aus den Reihen des sonst so souveränen, 13 Schüler umfassenden Bio-LKs. Auch ein „die Dinger fasse ich nie im Leben an!“ ist zu hören.

Herr Mentz jedoch macht kurzen Prozess: „So! Ihr tut euch in 2er-Gruppen zusammen, legt eure Tische mit Zeitungspapier aus, packt euch ein Sezier-Besteck und los geht´s wie eben besprochen!“

Während die einen noch von den Schweineaugen erschüttert wie in Schockstarre verharren, legen andere schon fleißig in heller Erwartung wie befohlen los. Man freute sich wohl, nicht wieder 90 Minuten seinen Blick zwischen Buch und Tafel schweifen lassen zu müssen, sondern endlich auch mal „etwas tun“ zu dürfen. So machten sich also 13 fleißige Schüler - mit Latex-Handschuhen, Skalpell und weiteren Instrumenten bewaffnet - daran, die Schweineaugen in alle Einzelteile zu zerlegen. Wer nicht sezieren wollte, durfte, ganz im Sinne der Selbstbestimmung und der Wissenschaft, Protokoll führen.

Schon bald kamen spannende und fesselnde Dinge zum Vorschein, wie die Linse oder der Glaskörper und auch das Glück, eine Aderhaut zu sehen, blieb den eifrigen Bio-Fans nicht verwehrt. Der ein oder andere entdeckte dabei durchaus seine Freuden und Talente im chirurgischen Bereich.

Und zum Ende hin fanden sogar die vorher noch Angeekelten, dass die Augen doch ein recht interessantes Studienobjekt seien.

Diese kleine Exkursion in die Welt der Schweineaugen kam im Zuge der für das Abitur relevanten Reihe „Neurobiologie“ zustande, in der sich die Schüler seit Beginn des Schuljahres mit Nerven, deren Aufbau und Funktionen, aber auch der Reizwahrnehmung an Sinnesorganen beschäftigten.

Generell wird durch viele der Sicherheit der Schüler geltenden Verbote an deutschen Schulen weniger experimentiert. „Da ist das Sezieren solcher Schweineaugen natürlich ein besonders tolles Erlebnis, welches man den Schülern auf keinen Fall vorenthalten sollte“, so Kursleiter Mentz.

Fazit aus dieser Stunde: Hat man ein Auge auf die Praxis, bleiben die Dinge länger im Gedächtnis.

Lorraine Hoffmann

 

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