Eine etwas andere UN-Konferenz

Der wiedergewählte Präsident der USA, Barack Obama, tritt selbstbewusst vor die UNO, um die Interessen seines Landes in den Klimaschutz-Verhandlungen durchzusetzen. Doch etwas scheint anders zu sein als sonst.

Barack Obama hat lange blonde Haare und verhandelt heute nicht in seiner Muttersprache Deutsch. Am Verhandlungstisch versucht er, China davon zu überzeugen, die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Doch China bleibt hart. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich mich jetzt auch noch um den Wahlkampf kümmern müsste – das wäre mir viel zu anstrengend“, sagt die 15jährige Judith Gerigk, Schülerin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG), die heute Barack Obama spielt.

24 Schülerinnen und Schüler sind aus Italien, Großbritannien und Spanien nach Hürth gekommen, um dort zusammen mit Schülerinnen und Schülern des ASG als UN-Vertreter zu verhandeln. Diese Simulation findet im Rahmen eines internationalen Comenius-Austauschprojekts statt. Bereits seit einem Jahr arbeiten die Schülerinnen und Schüler der vier teilnehmenden Partnerschulen in dem EU-geförderten Projekt zum Thema Klimawandel unter dem Motto „Changing Climate Changing Lives?!“

Ein „echter“ Politiker, der Hürther Bürgermeister Walther Boecker, eröffnete das Simulationsspiel am Donnerstag. Er freute sich sichtlich, dass die Klimaverhandlungen in seiner Stadt stattfinden. „Sind wir eigentlich in New York, dem UN-Sitz?“, wird er gefragt. „Nein, wir sind in Hürth! Diese wichtige internationale Konferenz findet in Hürth statt“, sagt er.

Die Leiter des Planspiels, Christopher Haarbeck und Konstantin Kaiser von Planpolitik aus Berlin, erklären den teilnehmenden Jugendlichen die Regeln der zweitägigen Verhandlungen: „Mit der roten Karte könnt ihr informelle Gesprächsrunden fordern – in kleinen Kreisen einigt man sich manchmal schneller und kann vor der UNO dann die Kompromisse vorstellen.“

Die Verhandlungen kommen anfangs nur langsam in Gang, aber schon nach kurzer Zeit hat jeder in seine Rolle gefunden und die Nachwuchspolitiker diskutieren die einzelnen Paragrafen des Kyoto-Nachfolgeprotokolls engagiert. Eine Herausforderung für die Jugendlichen ist vor allem, dass sie in die Rolle eines Politikers schlüpfen müssen, der zum Teil eine ganz andere Meinung vertritt als sie selbst – und das auf Englisch. Ufuk Tural, der für China am Verhandlungstisch sitzt, gerät unter Druck. „Möchtest du wirklich, dass wir unsere Umwelt nicht retten – auch deine Bevölkerung wird das nicht überleben!“ wirft ihm der Engländer Matt Johnson, heute indischer Staatsmann, vor. Im Raum nebenan werden Unterverhandlungen über die Frage geführt, wie Energie genutzt werden soll. Nach zähen Verhandlungen bleibt kein konkretes Ziel im letzten zu verhandelnden Paragrafen übrig, man einigt sich müde auf die Formulierung: „Wir wollen alle eine effizientere Nutzung der Energie anstreben.“

Am Freitagnachmittag rückt sich Joshua Page, der vor sich das Namensschild Ban Ki Moon stehen hat, seine Krawatte noch einmal zurecht und verkündet dann: „Wir sind zu einer Einigung gekommen. Alle Staaten werden den Vertrag unterschreiben“. 42 Schülerinnen und Schüler klatschen erleichtert Beifall.

Auf die Frage, ob sie noch einmal  bei dem Projekt mitmachen würde, antwortete die Schülerin Julia Wittrock, eine Vertreterin der UN: „Ja würde ich. Es ist schön zu sehen, wie die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Altersgruppen funktioniert.“ Und auch Teamleiter Konstantin zieht eine positive Bilanz: „Man merkt, dass sich die Schüler gut vorbereitet haben. Außerdem bin ich überrascht über das respektvolle Verhalten aller Schüler. Das erlebe ich leider nicht immer.“

Insgesamt vier Tage waren die Gastschülerinnen und -schüler aus Italien, Spanien und England zu Besuch in Hürth, wo sie in Familien gewohnt haben. Neben dem Simulationsspiel standen auch Unterrichtsbesuche, eine Tour durch das Albert-Schweitzer-Gymnasium, Kegeln, ein Besuch in Köln und natürlich eine große Abschlussparty auf dem Programm.

(Sarah Leimbach aus der Jahrgangsstufe 13 war als Journalistin des ASG beim Planspiel.)

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