Zeitzeuge Michail Trejster zu Gast an unserer Schule

Eine besondere Ehre für die Schüler des ASG war der Besuch von Herrn Trejster. Als Überlebender des Minsker Ghettos und Partisanenkämpfer im Zweiten Weltkrieg kam er am 30.1. in unsere Schule, als Zeuge und Berichterstatter dieser wohl grausamsten Epoche der Geschichte.

Für jeden von uns, Angehörige der letzten Generation, die fast 70 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft die Chance haben wird, Überlebende der unmenschlichen Gräueltaten dieser Zeit zu begegnen, war dies ein besonderes, ein bewegendes Erlebnis.

Von Krankheit gebeugt und auf einen Stock gestützt, betrat Herr Trejster das Podium der Aula, begleitet von seinem Dolmetscher, Herrn Margolin. Es war überraschend, wie stark und klar die Stimme unseres Gastes war - und kaum hob er die Stimme, hörte ihm der gesamte Saal mit der versammelten Q2 zu, lauschte seiner emotional vorgetragenen Erzählung und erschrak einmal mehr über die Schandtaten unserer deutschen Vergangenheit.

Nur unterbrochen von Herrn Margolins Übersetzungen begann Herr Trejster uns die Geschichte seines Lebens zu erzählen, von der ersten Bombardierung, die er als Jugendlicher erleben musste, von seiner Verschleppung in das Minsker Ghetto, seiner Arbeit als Schuster und seiner Verlegung in das KZ Trostenez. Wie er schließlich entkam und zu den Partisanen gelangte, weißrussischen Widerstandskämpfern.

Nach Beendigung dieser mitreißenden, zum Denken anregenden Geschichte, bot sich uns die Gelegenheit, Herrn Trejster Fragen zu stellen und in Dialog zu treten mit jemandem, der erlebt hat, was für uns sonst nur Kapitel in Geschichtsbüchern sind.

Es wurde gefragt, ob er denke, dass in Europa und speziell in Deutschland genug getan werde, ob es ihm schwerfalle hierherzukommen. Ja, antwortete er, in Deutschland werde der Opfer der Nationalsozialisten genug gedacht, werde genug, mehr als in jedem anderen Land, diese Zeit aufgearbeitet. Und, nein, es sei ihm nicht schwergefallen hierherzukommen, er sei zwar ein wenig krank und brauche neuerdings einen Stock, aber das halte ihn nicht davon ab.

Es war bewegend, dass ein Mann, dem von Deutschen Derartiges angetan worden war, auf die Frage, ob es ihm schwergefallen sei herzukommen, mit ja, er kränkele zwar ein wenig, aber er hätte gerne zu uns kommen wollen, antwortete. Hinsichtlich der emotionalen Schwierigkeit sagte er, dass es ihm in den Anfangsjahren schwergefallen sei, nun jedoch nicht mehr. Und dann fügte er hinzu, an was sich jeder von uns lange wird erinnern können. „Ich bin nicht der Meinung, dass ihr Verantwortung tragt für das, was mir und anderen damals geschehen ist.“

Dass es dennoch wichtig sei, dass wir uns daran erinnern mahnte er, doch schuld, das seien wir für ihn nicht.

Benjamin Landwehr, Leistungskurs Geschichte (Q2)


Hier finden Sie einen Beitrag von Radio Erft über den Vortrag

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