2000 Jahre in 2 Tagen – Ein Geschichtskurs des Albert-Schweitzer-Gymnasiums auf Bildungsfahrt: Von Hürth über Trier nach Verdun und zurück

Nachdem wir uns intensiv im Geschichtsunterricht mit dem Verlauf des 1. Weltkrieges befasst haben, kam unserem Kurs die Idee, eine Exkursion zu den Schlachtfeldern von Verdun zu machen. Dank der Unterstützung durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, die Stiftung Gedenken und Frieden, den Heimat- und Kulturverein Hürth und den Förderverein am ASG fand unsere erlebnisreiche Fahrt vom 19.03 bis zum 20.03.2015 statt. Namentlich möchten wir uns für ihren Einsatz bei Fr. Kazmierczak und Fr. Hörter (Volksbund NRW und Rheinland-Pfalz) und bei Hr. Manfred Germund (ehem. Vorsitzender des HKV Hürth) bedanken. Unser besonderes Dankeschön ! ergeht an Hr. Michael Hörter (Landesvorsitzender des Volksbundes Rheinland-Pfalz), der kurzfristig für seine Frau eingesprungen ist und uns die Gedenkstätten bei Verdun gezeigt hat.

Im Vorfeld unserer Bildungsfahrt besuchte uns die Referentin für Schul- und Bildungsarbeit Fr. Kazmierczak aus Essen, dem Landessitz des Volksbundes NRW, direkt am ASG. Sie stellte uns die Aufgaben des Volksbundes (v.a. Kriegsgräberpflege, Gedenk- und Erinnerungskultur) und seine vielfältigen Projekte vor (Jugendbegegnungen, Bildungsangebote, Unterrichtsmaterialien, Ausstellungen). Außerdem brachte sie originale Quellen mit (Erkennungsmarken gefallener Soldaten). Sie erinnerte uns mit Namenslisten an Hürther Kriegsgefallene im 1. Weltkrieg und informierte über Kriegsgräbergedenkstätten und Friedhöfe bei uns in Hürth, auf denen Kriegstote ruhen: Kendenich (1. Weltkriegsdenkmal auf dem Friedhof am Steinacker), Hermülheim, Stotzheim und der Hürther Gemeindefriedhof. Ihr Besuch war eine gelungene Vorbereitung und Einstimmung auf die eine Woche später folgende Fahrt!

Diese Fahrt nutzen wir zu einem Besuch mit Übernachtung in der „ältesten Stadt Deutschlands“: In Trier – das nur rund 2 Fahrtstunden von Verdun entfernt liegt – besuchen wir zunächst das Karl-Marx-Haus, in dem uns die Mitarbeiterin Fr. Huster zu einem spannenden Gang durch 200 Jahre bewegter deutscher wie europäischer Geschichte einlädt.

Danach folgen wir an der Seite unserer vielsprachigen Stadtführerin, Fr. Hermsdorf-Hubertz dem Trierer Stadtmotto „In 2000 Schritten durch 2000 Jahre“: in Form eines ansprechend und detailreich gestalteten Stadtrundgangs zu den römischen Kulturstätten.

Und obwohl Trier „nur“ eine - allerdings geschichtlich sehr reizvolle - Etappe auf dem Weg zu unserem Ziel „Verdun“ war, zeigte sich im Rückblick auf diese zwei Tage, dass jeder einzelne Programmpunkt für mindestens irgendjemanden unter uns ein besonderes Highlight war, für das sich der Besuch lohnte.

Am zweiten Tag besuchten wir dann bei gutem Wetter (trotz Sonnenfinsternis :)) eine Region, in der die schwerste Schlacht des 1. Weltkrieges ausgetragen wurde – Verdun in Lothringen, Frankreich. Zwischen Februar und Dezember 1916 tobten in unmittelbarer Nähe dieses Ortes erbitterte Kämpfe zwischen Franzosen und Deutschen, um eine Entscheidung im 1. Weltkrieg herbeizuführen.

Gemeinsam mit Hr. Hörter, der aus Koblenz angereist zu uns in den Bus stieg, besichtigten wir zunächst das Beinhaus Douaumont mit dem angrenzendem Nationalfriedhof, anschließend das Fort Douaumont und das zerstörte Dorf Fleury.

Das 130 Meter lange Beinhaus auf einem der Hügel vor Verdun gelegen, wo einst die Ortschaft Douaumont lag, erinnert an das hunderttausendfache Sterben. Man kann eine Kapelle und den Kreuzgang besichtigen. Und: Gebeine, Arme, Skelette - durch kleine Fenster im Keller des Beinhaues kann man sie sich anschauen. Es sind die Überreste von 130.000 deutschen und französischen Soldaten, die nicht identifiziert werden konnten – auf jedem Meter unter uns liegen 1000 Soldaten begraben. Die Namen einiger Leichen kennt man. Doch sie ließen sich nicht mehr zuordnen, weil es zu viele Tote waren oder weil die Leichen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Einige von uns entzünden Kerzen für die Opfer.

Auf der anderen Seite des Beinhauses öffnet sich der Blick wie auf ein „Meer weißer Kreuze“, einem Gräberfeld für 15.000 Gefallene. Uns allen wird die Möglichkeit gegeben, die Gräber zu besuchen.Hier sind die französischen Toten unter sich, aufgeteilt in Felder von Soldaten christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubens, deren Tafeln (anstelle von Kreuzen) gen Mekka ausgerichtet sind. Der Nationalfriedhof ist berühmt geworden, als sich hier 1984 Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident Francois Mitterand in einem symbolischen Akt des Friedens zweier zuvor verfeindeter Nationen die Hände hielten.

Ganz anders ist es im dunklen Fort Douaumont - eine von mehreren Festungen, die Verdun wie ein Ring umschließen. Auf dem Weg fahren wir an Schützengräben und Granattrichter vorbei. Die Festung selbst umgibt eine von Geschosseinschlägen zerklüftete, von Gras bedeckte Landschaft, die uns an das Auenland vom „Herr der Ringe“ erinnert.

Nach der Schlacht vor 100 Jahren glich sie einer mit weißer Asche bedeckten Mondlandschaft - verseucht auch durch das Giftgas, das bei Verdun zum Einsatz kam. Wie uns Herr Hörter berichtet verschanzten sich hier Monate lang französische, zeitweise aber auch deutsche Soldaten - und lebten in katastrophalen Verhältnissen.

Der ganze Wahnsinn des Kriegs wird hier deutlich: Die 1913 nach jahrzehntelangen Bauarbeiten fertiggestellte Festung war der Waffentechnik trotz 6 Meter dicker Mauern nicht mehr gewachsen; in den Schlafräumen mussten 80 bis 90 Soldaten zu dritt in einem Bett nächtigen, bei ohrenbetäubenden Lärm durch Granateinschläge, die wir durch ein herabfallendes schweres Blech nachempfinden können, in einer Kälte und Nässe, die uns heute in unseren dicken Jacken frieren lässt; schließlich die Tatsache, dass bei alltäglichen Versorgungsgängen mehr Menschen ums Leben kamen als in der eigentlichen Schlacht.

„Dem Erdboden gleich gemacht“, das trifft es wohl am ehesten, wenn man beschreiben soll, was in dem französischen Dorf Fleury passiert ist. Fleury ist eines von neun Dörfern nahe Verdun, die im Zuge von Eroberung und Rückeroberung durch Deutsche und Franzosen vollständig zerstört wurden.

Was wir vorfinden ist ernüchternd: Waldwege lassen vermuten, wo die früheren Straßen verliefen. Schilder sind der einzige Anhaltspunkt um sich den ehemaligen Grundriss des Dorfes, das einmal ca. 300 Einwohnern Platz gegeben haben soll, vorstellen zu können. Bemerkenswert ist, dass Fleury heute noch eine eigene Postanschrift besitzt und Ehepaare in der Kapelle vermählt werden können. Es behält trotz der Zerstörung also seinen Status als Gemeinde und dient als Zeichen der Grausamkeit, damit niemand vergisst, was dort Schreckliches passiert ist.

Wenige Kilometer weiter, in dem beschaulichen Ort Verdun selbst, vom Krieg äußerlich weitgehend verschont (u.a. aufgrund der Zitadelle, die wir abschließend besichtigen), sitzen wir danach in einem Café an der Maas, verbringen ein paar schöne Stunden und entspannen uns in der Sonne.

Doch der Besuch an den Gräbern und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs bei Verdun hat Spuren hinterlassen:

Der Ort ist ein Warnsignal für die Menschheit feinfühliger und gewaltfrei miteinander umzugehen... Rückblickend lässt sich für uns feststellen, dass es sich gelohnt hat, die lange Fahrt nach Verdun auf sich zu nehmen, da man durch direkte Konfrontation mit den Folgen des Krieges diesen besser begreifen kann... Man muss sich jedoch bewusst sein, dass dies zu einem emotionalen Ereignis werden kann“ (Lea Martens, Antonia Beusch u. Lars Grapatin).

zusammengestellt und zitiert aus Erlebnisberichten der Schüler/innen

Unser Geschichtskurs vor dem Fort Douaumont (vorne v. li.):  Marvin Hünnebeck, Alexander Röntgen, Marc Gelath, Lehrer Oliver Brands, Leon Trevisany, Malte Leuschner, Salim Ratbi, Lea Martens, Ina Dresbach, Antonia Beusch; (mittlere Reihe v.li.) Felix Thurn, Evangelos Eleftheriadis, Steffen Klein, David Zielen, Tamara Hergert, Lehrerin Jennifer Rehling, Gauthier Litz; (hintere Reihe v.li.) Lars Grapatin, Mertcan Akar, Niko Nowak.

Hier finden Sie die Erlebnisberichte der Schülerinnen und Schüler

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