Exkursion der Geschichtskurse Q2 zu den Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkriegs

Vom 4. bis zum 5. Oktober unternahmen wir mit unseren Lehrerinnen Frau Fritschle, Frau Solbach und Frau Rehling eine Reise nach Péronne, einem kleinen, aber bedeutenden Städtchen, nahe der Somme im Norden Frankreichs. Das Ziel der Exkursion war es, die Spuren des Ersten Weltkriegs hautnah zu erleben und zu erkennen, welche Ausmaße Krieg haben kann. Auch wenn uns im Unterricht bereits die Schwere einer vierjährigen (1914-1918), scheinbar nie endenden kriegerischen Auseinandersetzung mit unzähligen Kriegsschauplätzen und Schlachten zwischen imperialen Großmächten vor Augen geführt wurde, läuft es einem doch kalt den Rücken herunter, wenn man vor einem 30 Meter tiefem Krater steht und in die Leere einer explodierten, unterirdisch gezündeten Granate blickt, in der hunderte Menschen ihr Leben verloren.

Obwohl die Schützengräben bewuchert und schwer zu sehen sind, kann man sich die Geschehnisse erst bildlich vorstellen, wenn man über das Niemandsland, die Todeszone zwischen den Gräben, läuft. Der „große“ Krieg, wie ihn die Franzosen, Engländer und Spanier nennen hatte jedoch nicht nur wirtschaftliche und politische Folgen, sondern auch soziale. Millionen von Soldaten schrieben ihren Lieben Briefe, die darauf warteten, als ein Zeichen, dass sie noch lebten, Millionen von Familien beteten für die Heimkehr ihrer Väter und Männer. Frauen engagierten sich als Krankenschwestern und Pflegerinnen, um mit den Kriegsfolgen umgehen zu können. Diese Uniformen, Briefe und Eindrücke kann man im Historial de la Grande Guerre in Péronne anschauen. Dass aber auch heutzutage das Andenken an die Opfer eines solchen Krieges nicht erlischt, zeigen all die Fotos und Kerzen, die Familien ihrer Vorfahren an den Grabsteinen der Gefallenen hinterlassen und diese Orte damit in lebendigem Gedenken behalten. Gemeinsam mit Frau Maaßen, die ortskundige Expertin, erkundeten wir die Orte, die uns heute noch erschauern lassen: Schlachtfelder, Friedhöfe, Massengräber. Abschließend stand uns eine Suche bevor, die sich auf ein Zuckerrübenfeld konzentrierte. Alle Schüler schlängelten sich durch die Zuckerrüben, um Überbleibsel des Kriegs zu finden. Patronenhülsen, Kugeln, Granatenreste befördern die Bauern noch heute in großer Stückzahl zu Tage und selbst wir fanden nach kurzem Suchen ein paar Stücke, die 100 Jahre alt sind. Darunter befanden sich Granatsplitter, Schrapnell-Kugeln, die uns bildlich vor Augen führen, was damals passiert ist und wie tief sich der Krieg in die Landschaft „gegraben“ hat. Überreste, die wir bisher nur aus schriftlichen Quellen kannten.

Und obwohl alles noch sichtbar und dadurch weniger abstrakt wird, fällt es uns immer noch schwer, den Wahnsinn dieser industrialisierten „Materialschlachten“ zu begreifen, der so viele Millionen Menschen das Leben gekostet hat.  Die erste Pflanze, die im Niemandsland keimte, war der Mohn. Er symbolisiert die Hoffnung und den Neubeginn und ist gleichzeitig Warnung vor den Gräueln des Kriegs.

Manuela Bender, Q2

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